Der Feldhamster bevorzugt landwirtschaftlich genutzte Flächen besonders die hochproduktiven Löß- und Lehmböden. Das führt zu Konflikten mit der Landwirtschaft und so ist der Feldhamster von einem extremen Schadnager und einer typischen Art der Agrarlandschaft zu einem vom Aussterben bedrohten Tier geworden. Sein drastischer Rückgang ist mittlerweile besorgniserregend. Hauptursachen für den Rückgang der Hamsterzahlen sind die Veränderungen in unseren Kulturlandschaften. So ist die Landwirtschaft immer effizienter geworden, engere Fruchtfolgen und größere Feldblöcke sind ebenso Ursachen für den Rückgang der Feldhamsterzahlen wie auch Veränderungen im Klima, man denke dabei nur an die langen Dürreperioden der letzten Jahre.


Unter dem Motto „Praxisorientierter Fachaustausch zum Feldhamsterschutz-Gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln“ hatten die Kooperationspartner im Projekt „Brücken für den Feldhamster“, die Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt, der Landschaftspflegeverband Grüne Umwelt e. V. (LPV) und der BUND Sachsen-Anhalt, am 13.04.26 ins Bürgerhaus Wellen (Hohe Börde) eingeladen. Neben Herrn Dr. Steffen Eichner, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt und dort zuständig für Klimaschutz und Umwelt und Frau Anke Busse, Referentin im sachsen-anhaltinischen Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forst, zuständig für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen waren zahlreiche Landwirte, Vertreter verschiedener Umwelt- und Naturschutzverbände sowie aus den zuständigen Fachbereichen der Behörden und Ämter der Einladung gefolgt.
Um die Bestände dieser Art im Bundesland zu halten und zu fördern, arbeiten die Kooperationspartner Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt, der LPV „Grüne Umwelt“ und der BUND Sachsen-Anhalt gemeinsam im Förderprojekt „Brücken für den Feldhamster“. In enger Zusammenarbeit mit den 14 teilnehmenden Landwirtschaftsbetrieben werden auf insgesamt 538 ha unterschiedliche Maßnahmen, die Deckung und Nahrung während der aktiven Phase des Feldhamsters zur Verfügung stellen, in 3 Regionen Sachsen-Anhalts erprobt. Umfangreiche Kartierungen der auf den Maßnahmenflächen vorhandenen Feldhamsterbaue können einerseits die Erfolge belegen, vielerorts lassen sich aber auch keine Feldhamsteraktivitäten mehr nachweisen.
Christian Apprecht von der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt unterstrich die Funktion des Feldhamsters als Schirmart für die Agrarlandschaft. Er berichtete von den Maßnahmen zum Feldhamsterschutz im Kooperativen Naturschutz und wies dabei auf die Bedeutung multifunktionaler Maßnahmen hin, die neben dem Schutz des Feldhamsters auch vielen weiteren Arten der Agrarlandschaft wie Feldlerche, Rotmilan, Ackerwildkräutern und Insekten dienen.


Dr. Jens Birger, Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt, betonte die Bedeutung produktionsintegrierter Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die speziell auf die Ansprüche der Art angepasst werden und eine langfristige Flächenbindung für den Feldhamsterschutz ermöglichen. Deutlich wurde, dass alle 3 Säulen nur in ihrem Zusammenwirken erfolgreich sein können.
Matthias Haase vom LPV unterstrich die Bedeutung des Zusammenwirkens der verschiedenen Akteure. Er machte jedoch auch deutlich, dass es erhebliche Wissenslücken zum Vorkommen der Art zu schließen gilt, wofür er bei der Kartierung von Hamsterbauen den Einsatz speziell ausgerüsteter Drohnen empfahl, welcher im Projekt CRIFORA erfolgversprechende Ansätze für eine zeit- und kosteneffiziente Erfassung geliefert hat. Er hob zudem die Notwendigkeit einer langfristig planbaren, finanziellen Ausstattung für einen erfolgreichen Feldhamsterschutz hervor.
Den Feldhamsterschutz in Bundesland Thüringen thematisierte der Feldhamsterexperte René Sollmann mit sehr praxisnahen Ausführungen zu wirksamen Maßnahmen. Seine praktischen Ausführungen regten direkt zur Diskussion der Teilnehmenden an. Hierbei wurde deutlich, dass landwirtschaftliche Nutzung und Feldhamsterschutz noch enger und praxisorientierter miteinander zu verzahnen sind, um u. a. sinnvolle Kompromisse auszuloten, praxisnahe Maßnahmen für feldhamsterunfreundliche Kulturen zu entwickeln und zu erreichen, dass sich Landwirte am Feldhamsterschutz beteiligen möchten. Um den Nachbarn der Landwirte zu erhalten und zu fördern, sollten alle Möglichkeiten, wie flexible Maßnahmen im Rahmen von Förderprojekte, mittelfristige Maßnahmen des Kooperativen Naturschutzes sowie Maßnahmen des natur- und artenschutzrechtlichen Ausgleichs als langfristige Kompensationsmaßnahmen, genutzt werden, darin waren sich die Teilnehmenden einig.
Kay Brüggemann, Landwirt in Mammendorf und seit langer Zeit im Feldhamsterschutz aktiv und sehr erfahren sowie weitere, am Projekt „Brücken für den Feldhamster“ teilnehmende Landwirte hinterfragten die Ausführungen, bestätigten die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit aller Akteure, wiesen auf die vielen praktischen und bürokratischen Herausforderungen hin und ergänzten das Gesagte durch ihre Erfahrungen.



