Als wichtige Leitart der Agrarlandschaft ist er derzeit in aller Munde: der Feldhamster.
Experten befürchten sein baldiges Aussterben, wenn nicht massiv gegengesteuert wird. 

Mit diesem Aufruf wollen wir, der Bauernverband Sachsen-Anhalt e. V., der Bauernbund Sachsen-Anhalt e. V., der Landschaftspflegeverband „Grüne Umwelt“ e. V. und die Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt, Sie aufrufen und ermutigen, sich freiwillig für den Schutz von Sachsen-Anhalts Verantwortungsart einzusetzen.

Lassen Sie uns zeigen, dass Landwirtinnen und Landwirte bereit sind, Verantwortung für ihren „Feldnachbarn“, den Feldhamster, zu übernehmen!

Wir wollen Ihnen vier einfache Maßnahmen vorstellen, mit denen Sie den Feldhamsterschutz wirksam unterstützen können.

1. Ährenernte-Ernte mit Verbleib langer Stoppeln (möglichst > 40 cm) und verzögertem Stoppelsturz

Bei der Ernte werden nur die Ähren geschnitten, der Rest verbleibt und bietet den Feldhamstern guten Schutz vor Beutegreifern. Durch einen freiwilligen verzögerten Stoppelsturz (ab 01.10.) verbleiben den Feldhamstern genügend Zeit und Deckung, um Wintervorräte anzulegen. Der Stoppelsturz kann jedoch auch früher (Stoppelruhe bis Mitte September) erfolgen, wenn danach eine Zwischenfrucht ausgesät wird.

2. Streifenweiser Ernteverzicht gekoppelt mit Verbleib langer Stoppeln (möglichst > 40 cm) und verzögertem Stoppelsturz

Feldhamster bewegen sich in einem Radius von 100 m (Männchen) bzw. ca. 35 m (Weibchen). Die Maßnahme, längere Stoppeln zu hinterlassen, kann und sollte durch das Belassen einiger schmaler, unbeernteter Getreidestreifen maßgeblich verbessert werden.

Wenn beispielsweise alle 30 m ein ca. 30 cm breiter, unbeernteter Streifen verbleibt, stehen je 100 m langem Streifen ca. 20 kg Getreide zum Einhamstern zu Verfügung (bei einem angenommenen Ertrag von ca. 70 dt/ha). Durch den verzögerten Stoppelsturz (zeitliche Staffelung siehe oben) verbleiben den Tieren genügend Zeit und Deckung, um Wintervorräte anzulegen.

3. Aussaat feldhamsterfreundlicher Zwischenfrüchte

Der Landschaftspflegeverband „Grüne Umwelt“ e. V. aus Schwaneberg, der seit langer Zeit mit dem Feldhamsterschutz befasst ist, hat gemeinsam mit Vertretern des Landesjagdverbandes und in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule Anhalt eine Blühmischung entwickelt, die einerseits die Bedürfnisse der Tiere nach Deckung und Futterangebot und andererseits die Anforderungen der Landwirtschaft hinsichtlich der üblichen Produktion und Notwendigkeit der Erfüllung von Vorgaben des Greening berücksichtigt. Idee ist die Überwindung kritischer Übergänge in der Fruchtfolge aus Sicht des Feldhamsters (z. B. Mais nach Weizen). Auch eine Unterbrechung großer Ackerschläge mit dem Ziel, Rückzugsräume anzubieten, ist möglich. 

Die Mischung ist konform zu den Vorgaben der DirektZahlDurchfV. Sie sollte frühestens ab Anfang September (zu diesem Zeitpunkt sind die Jungen des zweiten Wurfs bereits selbstständig!) bis zum 15.09. ausgebracht werden. Der Umbruch ist ab 01.03. möglich. 

Wenn wir die Nachfrage nach dieser Blühmischung bündeln, ließen sich durch größere Bestellmengen auch bessere Preise erzielen. Derzeit kostet die Mischung 71 €/ha (netto). Die Zusammensetzung der Mischung finden Sie unten aufgeführt. Der LPV gibt die Mischung zum Einkaufspreis ab und übernimmt auf Wunsch die Auslieferung.

Durch eine geschickte Anlage, die die abgeernteten und künftigen Flächen mit Getreideanbau verbindet, kann der Wechsel der Tiere gesteuert werden. Gern beraten Sie dazu die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes und der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt.

Feldhamsterfreundliche Zwischenfrüchte (Zusammensetzung der Mischung): 

lfd. Nr.

Art

Samenanteil (in %)

1

Schwedenklee

30

2

Alexandrinerklee

15

3

Buchweizen

1

4

Ölrettich

3

5

Ramtillkraut

5

6

Rauhafer

10

7

Fenchel

3

8

Phacelia

10

9

Ringelblume

8

10

Öllein

15

Summe

100

4. Erhalt und Neuanlage von feldhamsterfreundlichen Ackerrandstrukturen

Dem Feldhamster und mit ihm andere Arten unserer Agrarlandschaft fehlen oftmals wichtige Ackerrandstrukturen. Diese gehölzfreien, schmalen Streifen zwischen Kulturflächen stellen wichtige Nahrungs- und Rückzugshabitate dar. In blütenreichen Saumstrukturen findet er neben einer guten Deckung ein breites Nahrungsspektrum an Samen, Getreidekörnern, Wurzeln und Knollen.

Indem Sie solche Strukturen am Ackerrand erhalten oder vielleicht sogar neue anlegen, leisten Sie einen wertvollen Beitrag, auch für die Vernetzung von Lebensräumen!

Ebenso sind Blühstreifen geeignet, das Nahrungsangebot zu erweitern. Hier finden Insekten und Feldvögel ihre Nahrung; auch für den Feldhamster stellen sie eine wichtige Erweiterung seines Speiseplans dar.

In Sachsen-Anhalt stehen verschiedene Blühmischungen für eine ein- bis mehrjährige Standzeit zur Verfügung.

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