Viele Ackerwildkräuter sind mit dem Getreideanbau vor tausenden Jahren aus Vorderasien und dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa gelangt. Bei den meisten Ackerwildkräutern handelt es sich daher um sogenannte Archäophyten. So werden Pflanzenarten bezeichnet, die mit Beginn des Ackerbaus bis Ende des 15. Jahrhunderts bei uns eingewandert sind. Das Vorkommen der zumeist einjährigen Arten ist an den Anbau von Kulturpflanzen und die regelmäßige Bodenbearbeitung gebunden. Sowohl die intensive ackerbauliche Nutzung als auch die Nutzungsaufgabe ackerbaulich genutzter Grenzertragsstandorte sowie effektive Verfahren der Saatgutreinigung führen zum Rückgang oder Verschwinden dieser Arten.
Das Vorkommen der zumeist einjährigen Arten ist an den Anbau von Kulturpflanzen und die regelmäßige Bodenbearbeitung gebunden. Sowohl die intensive ackerbauliche Nutzung als auch die Nutzungsaufgabe ackerbaulich genutzter Grenzertragsstandorte sowie effektive Verfahren der Saatgutreinigung führen zum Rückgang oder Verschwinden dieser Arten.
Ackerwildkräuter bilden den Anfang der Nahrungskette in Agrarökosystemen und stellen eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und direkt oder indirekt auch für körner- und insektenfressende Vogelarten der Agrarlandschaft dar. Viele Insektenarten sind zudem auf bestimmte Ackerwildkrautarten spezialisiert. Ackerwildkräuter übernehmen weiterhin wichtige Ökosystemfunktionen. So reduziert das dichte Wurzelsystem der Ackerwildkräuter die Bodenerosion. Ebenso können sie zur biologischen Schädlingsbekämpfung und zur Regulation des Mikroklimas beitragen.
Etwa die Hälfte der Arten weist aktuell eine Gefährdungskategorie der Roten Liste auf und gilt heute in Sachsen-Anhalt, aber auch bundesweit als gefährdet, vom Aussterben bedroht oder ist bereits ausgestorben.
Gefährdungskategorien der Roten Listen (RL):
- 1: vom Aussterben bedroht
2: stark gefährdet
3: gefährdet
V: Vorwarnliste - D: Deutschland, ST: Sachsen-Anhalt
Die Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt setzt sich für den Erhalt seltener und gefährdeter Ackerwildkräuter ein. Sie arbeitet mit Landwirtinnen und Landwirten zusammen, um wildkrautreiche Felder über eine extensive Bewirtschaftung zu entwickeln und zu erhalten.
Einige dieser wertgebenden Arten werden hier porträtiert. Bitte scrollen!
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Themenseite „Ackerwildkrautschutz“.

Ackerröte
Wissenschaftlicher Name: Sherardia arvensis
Familienzugehörigkeit: Rubiaceae, Rötegewächse
Gefährdung: RL 3 ST, RL V D
Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Ackerröte wächst in Mitteleuropa überwiegend auf mäßig trockenen, nährstoffhaltigen Lehm- und Tonböden. Die Art gilt als wärmeliebend und ist vor allem auf gut wasserversorgten, kalkhaltigen bis schwach sauren Böden zu finden.
Die blasslila blühende Ackerröte mit ihren quirlig stehenden Blättern wächst meist niederliegend. Die Art bildet bei geeigneten Standorten und extensiver Bewirtschaftung gelegentlich Polster aus. Ohne Blüte ist die Ackerröte leicht mit einigen Labkraut-Arten zu verwechseln.
Ihre Konkurrenzkraft in ackerbaulich genutzten Kulturen ist als sehr gering einzuschätzen. Früher war die Art ein häufiger Begleiter vieler Kulturen, ganz besonders des (Winter-)Getreides. Heute ist die Art in Sachsen-Anhalt nur noch an wenigen Ackerrändern zu finden.
Der Rückgang der Ackerröte liegt unter anderem in ihrer späten Fruchtreife sowie in ihrer geringen Konkurrenzkraft begründet. Während die Samen früher in den Stoppelfeldern zur Reife gelangten, ist die Fruchtreife heute zumeist durch den Stoppelumbruch direkt nach der Ernte unterbrochen. Infolge der relativ geringen Lebensdauer der Samen werden keine langlebigen Samenbanken aufgebaut.
In Sachsen-Anhalt hat die Ackerröte Vorkommen in den Bördegebieten des Magdeburger, Köthener und Querfurter Ackerlandes sowie in den Hügelländern des Harzvorlandes.
Foto: Erich Greiner

Flammen-Adonisröschen
Wissenschaftlicher Name: Adonis flammea
Familienzugehörigkeit: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse
Gefährdung: RL 1 ST, RL 1 D
Nach den Angaben in alten Floren muss das Flammen-Adonisröschen früher auf kalkreichen Böden weit verbreitet gewesen sein. Inzwischen hat eine erhebliche Arealreduktion auf die wärmebegünstigten, niederschlagsärmeren Gebiete stattgefunden. Heute ist das Flammen-Adonisröschen ein sehr seltenes botanisches Highlight unter den Ackerwildkräutern.
Die blutrote Blüte gab ihr den Beinamen „Brennendes Teufelsauge“. Das ebenfalls giftige Flammen-Adonisröschen kann leicht mit dem Sommer-Adonisröschen verwechselt werden. Die locker verteilten Nüsschen des Fruchtstandes weisen einen schwarzen Schnabel auf (beim Sommer-Adonisröschen ist der Schnabel grün).
Das wärmeliebende Flammen-Adonisröschen ist wahrscheinlich während der Jungsteinzeit nach Deutschland gelangt und wächst auf trocken-warmen Kalkstein- und Kalklehmböden. Die intensive ackerbauliche Bewirtschaftung hat dazu geführt, dass die Art von den Kalkäckern Sachsen-Anhalts nahezu verschwunden ist.
Das Flammen-Adonisröschen gilt als Charakterart der Haftdolden-Adonisröschen-Gesellschaft.
Mit nur wenigen individuenarmen Vorkommen im Süden Sachsen-Anhalts ist das Flammen-Adonisröschen heute extrem selten zu finden und kommt nur unbeständig vor. Für den Erhalt dieser Art trägt Deutschland nach der nationalen Biodiversitätsstrategie eine große Verantwortung.
Foto: Erich Greiner

Sommer-Adonisröschen
Wissenschaftlicher Name: Adonis aestivalis
Familienzugehörigkeit: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse
Gefährdung: RL 3 ST, RL 2 D
Das strahlend rot leuchtende Sommer-Adonisröschen ist ein echter Blickfang. Neben rotblühenden Varianten gibt es auch hellgelbe oder orangefarbene Varianten. Die Blättchen dieser stark giftigen Pflanze sind fein gefiedert.
Das Sommer-Adonisröschen kommt auf flachgründigen, kalkreichen Böden wärmegetönter Standorte vor und ist eine der kennzeichnenden Arten der Haftdolden-Adonisröschen-Gesellschaft der Kalkäcker.
Das Vorkommen des Sommer-Adonisröschens ist, wie die anderen Arten der Haftdoldengesellschaften, eng an den extensiven Anbau von Wintergetreidekulturen geknüpft.
Heute kommt die Art bei uns nur noch selten an wenigen Ackerrändern oder auf extensiv bewirtschafteten Feldern im südlichen Sachsen-Anhalt, im Nord- und Südharz, im nördlichen Harzvorland sowie im Saale- und Bördekreis vor.
Foto: Erich Greiner

Orientalischer Ackerkohl
Wissenschaftlicher Name: Conringia orientalis
Familienzugehörigkeit: Brassicaceae, Kreuzblütengewächse
Gefährdung: RL 1 ST, RL 1 D
Der Orientalische Ackerkohl kommt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeergebiet und war früher in Getreidekulturen weit verbreitet. Die Pflanzenart ist an ihrem aufrechten Stängel und den rundlichen, stängelumfassenden, graugrünen Blättern zu erkennen.
Für diese zierliche, konkurrenzschwache Art werden deutschlandweit erhebliche Rückgänge verzeichnet. Der Orientalische Ackerkohl wächst auf kalkreichen, wärmegetönten, trockenen, aber gut nährstoffversorgten Lehm- oder Tonböden in lichten Ackerkulturen. Die oftmals skelettreichen Standorte werden auch Kalkscherbenäcker genannt.
Der Orientalische Ackerkohl ist ein typischer Vertreter der Haftdolden-Venuskamm-Gesellschaft. In Sachsen-Anhalt sind nur wenige Fundorte im Süden sowie im nördlichen Harzvorland bekannt. Bei intensiver Feldbearbeitung verschwindet der Ackerkohl schnell.
Foto: Anna Schumacher

Geschnäbelter Erdrauch
Wissenschaftlicher Name: Fumaria rostellata
Familienzugehörigkeit: Mohngewächse (Papaveraceae), Unterfamilie Erdrauchgewächse (Fumarioideae)
Gefährdung: RL 2 ST, RL 3 D
Habitat: Der Geschnäbelte Erdrauch kommt auf basischen, nährstoffreichen, lehmigen Äckern vor.
Pflanzensoziologie: Die Art hat nach FloraWeb ihr Schwerpunktvorkommen im Verband der Erdrauch-Wolfsmilch-Intensivhackfrucht- und Gartenunkrautgesellschaften (Fumario-Euphorbion Müll. ex Görs 1966).
Beschreibung: Der Geschnäbelte Erdrauch ist eine seltene, einjährige Erdrauchart, die durch große, rundliche, ungleich gezähnte, rosa Kelchblätter sich von den anderen Erdraucharten unterscheidet und dadurch gut kenntlich ist.
Die Pflanze kommt im mittleren und südlichen Osteuropa bis nach Asien vor, liebt warme und sonnige Landschaften und hat in Mitteleuropa westliche Vorpostenstandorte.
Verbreitung in Deutschland: In Deutschland kommt die Art zerstreut in Bayern und selten in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein vor. In den alten Ländern der Bundesrepublik Deutschland wurde die Art im Zuge der floristischen Kartierungen für den Atlas der Farn- und Blütenpflanzen nicht sicher nachgewiesen.
Verbreitung in Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt gibt es Angaben aus dem Nördlichen Harzvorland (schon älter), aus dem Saaletal bei Halle, bei Bad Dürrenberg und Sangerhausen (Datenbank LAU). Möglicherweise werden weitere aktuelle Vorkommen im Gebiet auch übersehen, da die Pflanzen auch einzeln vorkommen und aus Unkenntnis nicht beachtet werden.
Foto: Erich Greiner

Schleichers Erdrauch
Wissenschaftlicher Name: Fumaria schleicheri
Familienzugehörigkeit: Mohngewächse (Papaveraceae), Unterfamilie Erdrauchgewächse (Fumarioideae)
Gefährdung: RL 2 ST, RL 3 D
Habitat: Die Erdrauch-Art gedeiht am besten auf warmen, trockenen, kalk- und nährstoffreichen Lehmäckern sowie in kurzlebigen Unkrautfluren.
Pflanzensoziologie: Der Dunkle Erdrauch hat sein Hauptvorkommen in der Erdrauch-Wolfsmilch-Intensivhackfrucht- und Gartenunkrautgesellschaften (Fumario-Euphorbion Müll. ex Görs 1966).
Beschreibung: Im Vergleich zu den anderen Erdrauch-Arten fällt die Art durch die blutrote Farbe der Blüten und die langgestielten, zugespitzten Früchte auf.
Verbreitung in Deutschland: In Deutschland gilt der Dunkle Erdrauch als selten. Er kommt vor allem im mittleren Teil Deutschlands vor.
Schleichers Erdrauch ist in Sachsen-Anhalt eine wenig beobachtete und möglicherweise öfter übersehene Art. Sie tritt in manchen Jahren an den Fundorten bei uns nur sehr spärlich oder überhaupt nicht auf. Nach Fitting, Schulz & Wüst (1899: 131) wird die Art als ”zerstreut im Gebiet” bezeichnet. Aktuelle Funde dieser Art mit hoher Individuenzahl sind aus Sachsen-Anhalt bisher nicht bekannt.
Foto: Stefan Lefnaer (commons.wikimedia.org)

Deutsches Filzkraut
Wissenschaftlicher Name: Filago germanica
Familienzugehörigkeit: Asteraceae, Korbblütler
Gefährdung: RL 2 ST, RL 3 D
Das Deutsche Filzkraut ist eine Charakterart der extensiv genutzten Sandäcker und Sandackerbrachen. Darüber hinaus ist die Art in Sandtrockenrasen zu finden.
Sie bevorzugt trockene, sandige bis kiesige Böden und gilt als kalkmeidend. Das Deutsche Filzkraut ist einjährig und weist eine charakteristische grau-weiße, wollig-filzige Behaarung aller oberirdischer Pflanzenteile auf.
Die Art ist als sehr konkurrenzschwach einzustufen und gilt in Sachsen-Anhalt als stark gefährdet. Sie kommt vereinzelt im Norden und Osten, dem Nordharzvorland sowie im Bereich der Mittleren Saale noch vor.
Foto: Andreas Korschefsky

Acker-Goldstern
Wissenschaftlicher Name: Gagea villosa
Familienzugehörigkeit: Liliengewächse (Liliaceae)
Gefährdung: RL ST ungefährdet, RL V D
Habitat: Der Acker-Goldstern braucht nährstoffreichen, lockeren Boden, der sowohl kalkreich als auch kalkarm sein kann und wächst in Gebieten mit sommerwarmem Klima. Die Art besiedelt mäßig trockne, sandige Äcker und Ackerränder, Weinberge (Hauptvorkommen), aber auch extensiv genutzte Wiesen, Trocken- und Halbtrockenrasen (Nebenvorkommen). Der Acker-Goldstern kommt aber auch in Parks, auf Friedhöfen und lichten Laubmischwäldern vor.
Pflanzensoziologie: Die Art besitzt ein Schwerpunktvorkommen in den Hackfrucht-Unkrautgesellschaften (Polygono-Chenopodietalia J.Tx. 1961). Außerdem hat sie ein Hauptvorkommen im Verband der azidophilen Windhalm-Gesellschaften (Aperion spica-venti Tx. 1950) sowie ein weiteres Hauptvorkommen in der Weinbergslauch-Gesellschaft (Geranio-Allietum vinealis Tx. 1950).
Beschreibung: Der Acker-Goldstern blüht von März bis Mai. Von den verwandten anderen Goldstern-Arten fällt er durch die flaumige Behaarung der Blütenstängel auf. Allerdings findet man ihn in Mitteleuropa nur noch selten auf Äckern, da er durch die Anwendung von Herbiziden und durch tiefes Pflügen weitgehend aus den Äckern verschwunden ist. Gute Bedingungen zur Erhaltung findet er noch in ackernahen Gebüschen, Trockenrasen sowie in Parks und auf Friedhöfen.
Verbreitung in Deutschland: Der Acker-Goldstern ist in Mittel- und Südeuropa verbreitet. In Deutschland gilt er als Archäophyt und kommt verbreitet in Sachsen-Anhalt und Thüringen vor und zerstreut in den anderen Bundesländern (Müller u. a. 2021).
Aktuelle Nachweise in Sachsen-Anhalt: Ein bekanntes segetales, jedoch sehr individuenarmes Vorkommen befindet sich auf dem Ackerschonstreifen an der Zechsteinrippe Friedrichsschwerz. Weitere bekannte Vorkommen um Halle sind in der Regel nicht-segetal.
Foto: Erich Greiner

Gelber Günsel
Wissenschaftlicher Name: Ajuga chamaepitys
Familienzugehörigkeit: Lamiaceae, Lippenblütler
Gefährdung: RL 2 ST, RL 2 D
Pflanzensoziologie: Nach FloraWeb ist der Gelbe Günsel Kennart des Verbandes der Haftdoldengesellschaften (Caucalidion lappulae Tx. 1950). Außerdem hat er ein Hauptvorkommen im Verband der Erdrauch-Wolfsmilch-Hackfrucht- und Gartenunkrautgesellschaften (Fumario-Euphorbion Müll. ex Görs 1966). Ein weiteres (nicht-segetales) Hauptvorkommen hat die Art im Verband der Steinkraut-Mauerpfeffer-Gesellschaften (Alysso-Sedion albi Oberd. et Müll. in Th. Müll 1961).
Beschreibung: Der flachwüchsige Gelbe Günsel oder Acker-Günsel ist eher unscheinbar. Die Blätter der Pflanze ähneln Kiefernadeln und riechen beim Zerreiben auch so ähnlich wie diese.
Die wärmeliebende Art kann sich auf Stoppeläckern der Kalkverwitterungsböden besonders gut entwickeln und bevorzugt vorwiegend nährstoffarme Böden. Auch auf sehr schütteren Ackerbrachen kann sich der Gelbe Günsel etablieren. Wie viele Arten der Kalkäcker stammt er ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.
Der Gelbe Günsel blüht von Mai bis September. Die Samen reifen entsprechend von Juni bis in den Herbst. Durch die rosmarinartigen Blätter und die Behaarung an Stängel und Blättern ist die Pflanze gut an trockene Standorte im kontinentalen Raum angepasst. Hier hat die stark rückläufige Art ihren Verbreitungsschwerpunkt in Sachsen-Anhalt.
Verbreitung in Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt tritt der Gelbe Günsel in den Kalkgebieten der südlichen und südwestlichen Regionen auf. Sie ist besonders häufig im Mansfelder Seengebiet, bei Farnstädt, Bennstedt und Köllme, im Unstrutgebiet auf Kalk, im Unteren Saaletal von Friedrichsschwerz bis Könnern und im Nördlichen Harzvorland, z. B. am Hakel und vom Münchenberg bei Suderode bis zum Huy und dem Kleinen Fallstein. Die Vorkommen vereinzeln sich nach Norden hin. In den nördlichen und östlichen, vorwiegend sandgeprägten Gebieten – wie in der Börde, der Altmark, im Jerichower Land sowie im Landkreis Wittenberg – fehlt die Art ganz.
Gefördert wird die Art durch extensive Bewirtschaftung und die Schaffung von Bodenverwundungen.
Foto: Erich Greiner

Acker-Haftdolde
Wissenschaftlicher Name: Caucalis platycarpos
Familienzugehörigkeit: Apiaceae, Doldengewächse
Gefährdung: RL 3 ST, RL 3 D
Die Acker-Haftdolde ist ein alter Kulturbegleiter in Getreidefeldern der Kalkäcker und heute nur noch gelegentlich an Ackerrändern zu finden.
Charakteristisch sind die auffälligen Früchte mit ihren widerhakigen Stacheln. Als lichtliebendes und Stickstoffreichtum meidendes Ackerwildkraut weist die Acker-Haftdolde auf intensiv bewirtschafteten Äckern keinerlei Konkurrenzfähigkeit auf.
Sie ist eine der Charakterart der Haftdolden-Gesellschaften, die für extensiv genutzte Kalkäcker wärmegetönter Standorte typisch sind.
Die Art ist gelegentlich noch an den Rändern skelettreicher Kalkverwitterungsböden im Saale-Unstrut-Gebiet, im Südharz und Harzvorland sowie im Mansfelder Raum zu finden.
Foto: Erich Greiner

Acker-Hahnenfuß
Wissenschaftlicher Name: Ranunculus arvensis
Familienzugehörigkeit: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse
Gefährdung: RL 2 ST, RL 3 D
Der aus Mittelasien stammende Acker-Hahnenfuß mit seinen auffälligen Klettfrüchten ist ein selten gewordener Begleiter des Wintergetreides. Er wächst in Mitteleuropa auf lehmigen bis tonigen kalkhaltigen, aber gut drainierten, skelettreichen Böden. Der Acker-Hahnenfuß gilt als Lehmzeiger und ist außerhalb von Äckern nicht zu finden.
Die Art ist konkurrenzschwach und reagiert sensibel auf Herbizidbehandlungen. Weiterhin gedeiht der Acker-Hahnenfuß nur auf nährstoffarmen Böden und stellt somit keinerlei Probleme für die Landwirtschaft dar.
Durch die spezifischen Standortansprüche und die nur ca. 10 Jahre im Boden lebensfähigen Samen ist der Acker-Hahnenfuß sehr selten geworden: In Sachsen-Anhalt sind nur wenige vitale Standorte im Burgenlandkreis und im Landkreis Mansfeld Südharz bekannt.
Foto: Erich Greiner

Rundblättriges Hasenohr
Wissenschaftlicher Name: Bupleurum rotundifolium
Familienzugehörigkeit: Apiaceae, Doldengewächse
Pflanzensoziologie: tritt im Caucalido-Scandicetum auf
Gefährdung: RL 2 ST, RL 2 D
Das stark gefährdete Rundblättrige Hasenohr bevorzugt trockene, nährstoff- und kalkreiche, lehmige oder tonige Böden. Die Art kam mit dem Getreideanbau aus dem mediterranen Raum nach Mitteleuropa und war früher ein typischer und weit verbreiteter Begleiter der Ackerflora auf Kalkverwitterungsböden.
Das Rundblättrige Hasenohr zählt zu den Charakterarten der Haftdoldengesellschaften, die typisch für die sogenannten Kalkscherbenäcker sind. Die Wolfsmilch-ähnliche Gestalt und die eiförmigen, stängelumfassenden Blätter sind charakteristisch für das Rundblättrige Hasenohr.
In Sachsen-Anhalt ist die Art mit wenigen Vorkommen im Süden Sachsen-Anhalts sowie im Nordharz und nördlichen Harzvorland zu finden. Die Art gehörte im 18. Jahrhundert zu den typischen Äckerunkräutern im Mansfelder Gebiet. Leyser (1761) schreibt ”Langenbogen copiose” und Sprengel (1806) ”inter segetes ad Kölme et Langenbogen, frequens”. Auch um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde das Rundblättrige Hasenohr noch häufig gefunden (vgl. Fitting et al. 1899).
Foto: Erich Greiner

Kornrade
Wissenschaftlicher Name: Agrostemma githago
Familienzugehörigkeit: Caryophyllaceae, Nelkengewächse
Gefährdung: RL 1 ST, RL 2 D
Die Kornrade war bis in die 1960er Jahre eine typische Ackerbegleitpflanze im Wintergetreide. Infolge moderner Anbaumethoden, vor allem wegen der Saatgutreinigung und des Einsatzes von Herbiziden, kommt sie heute kaum noch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen vor. Letzte segetale Vorkommen gab es noch bis 2001 bei Eisleben.
Die Art stammt wahrscheinlich aus dem Mittelmeergebiet und wurde durch den Getreideanbau in Mitteleuropa verbreitet. Die violett blühende Kornrade bevorzugt mäßig basen- und stickstoffversorgte, sandig-lehmige, trockene Böden. Aufgrund ihrer giftigen Samen war die Art lange ein gefürchtetes Ackerunkraut in Europa.
Die Kornrade hat ihre Ausbreitungsstrategie an den Getreideanbau angepasst. Da die Samenkapsel sich zur Samenreife nicht weit genug öffnet, ist die Pflanze daran angepasst, mitgedroschen und mit dem Getreidesaatgut wieder ausgebracht zu werden. Die einjährigen Samen weisen etwa die gleiche Größe wie Getreidekörner auf – so fand über Jahrhunderte eine durch den Menschen geprägte Saatgutselektion statt. Durch die moderne Saatgutreinigung ist die Ausbreitung der Kornrade unterbrochen. Zudem weisen die Samen nur eine kurze Lebensdauer von wenigen Monaten bis zu max. zwei Jahren auf: Es werden keine Samenbanken im Boden ausgebildet.
Heute ist die Kornrade von den Feldern nahezu verschwunden. Einzelne Vorkommen sind aus Sachsen-Anhalt beispielsweise für das Grüntal bei Quedlinburg sowie für eine Ackerfläche bei Chüttlitz (Salzwedel) bekannt. Seltene Reliktvorkommen weist diese Art teilweise in an Äcker angrenzende Halbtrockenrasen auf.
Foto: Erich Greiner

Lämmersalat
Wissenschaftlicher Name: Arnoseris minima
Familienzugehörigkeit: Asteraceae, Korbblütler
Gefährdung: RL 2 ST, RL 2 D
Der ursprünglich aus Südwesteuropa stammende Lämmersalat ist eine Charakterart der nährstoffarmen, bodensauren Sandäcker sowie der Sandackerbrachen. Er ist die weltweit einzige Art dieser Gattung und gilt als stark gefährdet. Die blassgelben Blütenköpfchen des Lämmersalats sitzen einzeln auf langen, zur Blüte hin verdickten, blattlosen Stielen.
Der Lämmersalat bevorzugt mineralarme mäßig frische Ackerstandorte und gilt als kalkmeidend. Obwohl die einjährige Art frostempfindlich ist, ist sie überwiegend in Winterkulturen und nur gelegentlich in Sommerkulturen auf den ackerbaulich genutzten Flächen zu finden.
Die konkurrenzschwache Art benötigt sehr lichte Kulturen. Für die Keimung braucht der Lämmersalat Stellen mit offenem Boden. Auf Brachflächen verschwindet der Lämmersalat nach ein bis zwei Jahren. Auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen wird die Art zurückgedrängt, da sie Düngung (damit einhergehend dichte Kulturen), Kalkung und chemische Pflanzenschutzmittel nicht verträgt.
Der Verbreitungsschwerpunkt der Art liegt in der Dübener Heide und im Fläming. Einige Vorkommen liegen außerdem in der Börde, im Jerichower Land und in der Altmark. Da der Lämmersalat eine Verantwortungsart in Deutschland ist, sollten die Äcker, auf denen sie noch vorkommt, möglichst extensiv und ohne Kalkung bewirtschaftet werden.
Foto: Erich Greiner

Kleines Mäuseschwänzchen
Wissenschaftlicher Name: Myosurus minimus
Familienzugehörigkeit: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Gefährdung: RL 3 ST, RL D k.A.
Habitat: Segetal kommt das Kleine Mäuseschwänzchen auf krumenfeuchten, nährstoffreicheren, lehmigen (wechsel)feuchten oder temporär überschwemmten Äckern oder Ackersenken vor. Außerdem kann es nicht-segetal in kurzlebigen Unkrautfluren an Wegrändern oder Fahrspuren auftreten. Auch an Ufern von Teichen und Bächen kommt die Art vor. Sie ist kalkmeidend und salz Geranio-Allietum vinealis Tx. 1950 tolerant.
Pflanzensoziologie: Das Kleine Mäuseschwänzchen hat nach FloraWeb ein Hauptvorkommen in den einjährigen Zwergbinsen-Gesellschaften (Nanocyperion W. Koch 1926). Die Art ist zudem Kennart der Mäuseschwanz-Hahnenfuß-Gesellschaft (Myosuro-Ranunculetum sardoi (Diem., Siss. et Westh. 1940) Oberd. 1957)).
Beschreibung: Schon während der Blüte und danach entwickelt die Pflanze eine bis zu 6 cm lange, auffällige Sammelfrucht. Sie kann in feuchten Jahren und in Senken auf lehmigen Äckern große individuenreiche Bestände entwickeln. Auch in Wegspuren und Ackerfurchen bilden sich solche Bestände. Durch veränderte landwirtschaftliche Anbaumethoden und Korrektur von Wasserläufen und die damit verbundene Uferbebauung sind viele ihrer früheren, periodisch überschwemmten Standorte verloren gegangen. Mit einer spontanen Neuansiedlung ist kaum zu rechnen.
Die Art kommt von Skandinavien bis ins südliche Europa und in Nordafrika vor. Ferner ist sie in Vorderasien und dem östlichen Nordamerika zu finden. Sie ist ein eurasisch-submediterranes Florenelement. In Mitteleuropa ist sie nur gebietsweise verbreitet.
Verbreitung in Deutschland: In Deutschland ist die Art in Sachsen-Anhalt und Sachsen verbreitet; in den anderen Bundesländern zerstreut oder selten.
Foto: Erich Greiner

Acker-Ringelblume
Wissenschaftlicher Name: Calendula arvensis
Familienzugehörigkeit: Asteraceae, Korbblütler
Gefährdung: in Sachsen-Anhalt gilt die Art als unbeständiger Neophyt, RL 1 D
Habitat: Die Acker-Ringelblume kommt in Weinbergen, an Ackerrändern bzw. (ruderalen) Feldrainen und Wegrändern vor.
Pflanzensoziologie: Die Vorkommen der Acker-Ringelblume in Südwestdeutschland weisen eine pflanzensoziologische Bindung zur Weinbergslauch-Gesellschaft (Geranio-Allietum vinealis (v. Rochow 1948) R. Tx. 1954) auf. Das bei Naumburg wiederentdeckte Vorkommen scheint eine pflanzensoziologische Bindung an ruderal beeinflusste Offenlandstandorte aufzuweisen (vgl. auch Hilbig 1967).
Beschreibung: Die Acker-Ringelblume ist eine niedrige (5 bis etwa 30 cm), meist basal verzweigte, weiche, krautige Pflanze mit aufsteigenden bis aufrechten Stängeln. Die oberirdischen Pflanzenteile sind spinnwebig, borstig oder drüsig behaart. Die Blütenkörbe bestehen aus zwei oder drei Reihen mit 12 bis 22 orangegelben Strahlenblüten (= Zungenblüten und Scheibenblüten = Röhrenblüten). Die Früchte sind durch Vielgestaltigkeit (Heterokarpie) gekennzeichnet und zeigen in der Regel in jedem Fruchtkopf drei durch Übergang verbundene Formen: Hakenfüchte, Kahnfrüchte und Larvenfrüchte.
Die Acker-Ringelblume ist eine Pflanze, die aus dem mediterranen Raum stammt und in Mitteleuropa selten und vorwiegend in Weinbaugebieten als Archäophyt vorkommt. Sie bedeckt im Mittelmeergebiet in, oft mehrere Quadratmeter großen, reinen Rasen den Boden und ruft zur Blütezeit weithin leuchtende gelbe Farbflecke hervor. In Mitteleuropa erscheint sie kaum in einer derartigen Häufigkeit. Gegenwärtig ist sie im Aussterben begriffen.
Verbreitung in Deutschland: In Deutschland sind Vorkommen aktuell nur aus dem Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern bekannt. In den östlichen Bundesländern Deutschlands galt sie als schon lange ausgestorben.
Verbreitung in Sachsen-Anhalt und aktuelle Vorkommen: Im Gebiet Sachsen-Anhalts wurde die Acker-Ringelblume zuletzt im 19. Jahrhundert bei Naumburg, Bad Kösen, Bad Dürrenberg, Merseburg und Halle nachgewiesen. Im Dezember 2023 wurde sie im Blütengrund bei Naumburg wiedergefunden. Dies ist als eine Wiederbestätigung eines früheren Fundortes zu werten.
Foto: Erich Greiner

Acker-Schwarzkümmel
Wissenschaftlicher Name: Nigella arvensis
Familienzugehörigkeit: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächs
Gefährdung: RL 1 ST, RL 1 D
Die hellblauen, exotisch wirkenden Blüten des Acker-Schwarzkümmels sind eine Besonderheit. Der ursprünglich auf dem Balkan verbreitete Acker-Schwarzkümmel kam wahrscheinlich während der Jungsteinzeit mit dem Getreideanbau nach Europa.
Die Art gedeiht auf kalkreichen, skelett- und nährstoffreichen Lehmböden und kommt bevorzugt auf niederschlagsarmen, kontinental-geprägten Standorten vor. Der Acker-Schwarzkümmel ist eine typische Art der Stoppeläcker, die erst im Mai keimt und nach der Ernte zur Samenreife gelangt. Die Verkürzung und Verschiebung von ackerbaulichen Bewirtschaftungsgängen, wie einem Stoppelsturz direkt nach der Ernte, tragen zum deutlichen Rückgang der Art bei.
Durch extensiv bewirtschaftete Ackerrandstreifen, aber auch durch Schonstreifen kann die Art erfolgreich gefördert werden.
Die Vorkommen sind in Sachsen-Anhalt auf die Kalkscherbenäcker der trockenen Gebiete des Mansfelder Landes und des Mittleren- und Unteren Saaletals begrenzt.
Foto: Erich Greiner

Eiblättriges Tännelkraut
Wissenschaftlicher Name: Kickxia spuria
Familienzugehörigkeit: Braunwurzgewächse
(Scrophulariaceae)
Gefährdung: RL 2 ST, RL 3 D
Habitat: Die Ansprüche an Boden und Klima sind ähnlich wie bei der Schwesterart Spießblättriges Tännelkraut. Die Art bevorzugt frische lehmige bis tonige Äcker, besonders Ackersenken, in warmen Lagen. Sie ist wärmeliebend und wächst insbesondere in Getreide- und Stoppelfeldern sowie in Ackerbrachen bzw. in kurzlebigen Unkrautfluren.
Pflanzensoziologie: Wie ihre Schwesterart ist das Eiblättrige Tännelkraut eine Kennart der Haftdoldengesellschaften (Caucalidion platycarpae (R. Tx. 1950) v. Rochow 1951).
Beschreibung: Ähnlich dem Spießblättrigen Tännelkraut ist das Eiblättrige Tännelkraut eine am Boden ausgebreitete Pflanze mit kleinen gespornten, gelben und blaulilafarbenen Blüten. Die Blätter sind jedoch eiförmig. Die Art gehört ebenfalls zu den Spätentwicklern im Jahr und profitiert vom späten Stoppelsturz.
Verbreitung in Deutschland: Das Eiblättrige Tännelkraut kommt in der Mitte und im Südwesten Deutschlands zerstreut vor. In den anderen Landesteilen fehlt es meist.
Verbreitung sowie aktuelle Nachweise in Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt kommt die Art vorzugsweise im Saalegebiet und den Kalkgebieten an der Unstrut sowie bei Naumburg und Eckartsberga vor. Im Nordharzgebiet ist Kickxia spuria selten und fehlt in weiten Gebieten an der Elbe, der Börde und der Altmark.
Wo beide Tännelkraut-Arten zusammen vorkommen, werden auch Bastarde gebildet (K. x confinis), z. B. in einer Ackersenke bei Beidersee. In den Schmoner Hängen bei Grockstädt kommt der Bastard auf einer Fläche ohne Eltern vor.
Foto: Erich Greiner

Spießblättriges Tännelkraut
Wissenschaftlicher Name: Kickxia elatine
Familienzugehörigkeit: Braunwurzgewächse
(Scrophulariaceae)
Gefährdung: RL 3 ST, RL 3 D
Habitat: Die Art bevorzugt frische, lehmige bis tonige Äcker, besonders Ackersenken, in warmen Lagen. Sie ist wärmeliebend und wächst insbesondere in Getreide- und Stoppelfeldern sowie in Ackerbrachen bzw. in kurzlebigen Unkrautfluren.
Pflanzensoziologie: Nach Schubert (2001) ist das Spießblättrige Tännelkraut eine Kennart der Haftdoldengesellschaften (Caucalidion platycarpae (R. Tx. 1950) v. Rochow 1951).
Beschreibung: Niederliegendes, am Boden ausgestrecktes Kraut mit kleinen gespornten, gelben und blaulilafarbenen Blüten. Die Blätter sind spieß- bis pfeilförmig. Die Art blüht und fruchtet spät im Jahr und profitiert vom späten Stoppelsturz. Sie zählt zu den sogenannten Stoppelwildkräutern.
Verbreitung in Deutschland: Das Spießblättrige Tännelkraut kommt in der Mitte und im Südwesten Deutschlands zerstreut vor. In den anderen Landesteilen fehlt es meist.
Verbreitung sowie aktuelle Nachweise in Sachsen-Anhalt: Verbreitungsschwerpunkte in Sachsen-Anhalt sind das Saalegebiet, das Südharzvorland, weniger häufig im Nordharzvorland und im Elbgebiet, selten im Harz und in der Altmark.
Foto: Erich Greiner

Wild-Tulpe
Wissenschaftlicher Name:Tulipa sylvestris
Familienzugehörigkeit: Liliengewächse (Liliaceae)
Gefährdung: RL ST k.A., RL 3 D
Habitat: Die Wilde Tulpe – auch Weinbergs-Tulpe genannt – ist die einzige Wildtulpen-Art in Deutschland. In Sachsen-Anhalt kommt sie nicht auf Äckern, sondern in Weinbergen vor. Außerdem tritt die Art in alten Parkanlagen und Gärten, ruderal auf Böschungen sowie auf frischen bis feuchten Auenwiesen, in Gebüsche und lichten Laubwäldern auf. Die Art bevorzugt besonnte, wärmegetönte, mäßig trockene Standorte auf basenholden, nährstoffreicheren Böden.
Pflanzensoziologie: In Weinbergen kann die Wilde Tulpe eine Weinberglauch-Gesellschaft (mit Allium vineale, Calendula arvensis u.a.) ausbilden (Geranio-Allietum vinealis Tx. 1950). Sie ist Kennart dieser wärmeliebenden Gesellschaft, die allerdings bisher noch nicht in Sachsen-Anhalt nachgewiesen ist – wenngleich die Art in Sachsen-Anhalt jedoch in Weinbergen vorkommt.
Beschreibung: Die ursprünglich aus dem Mittelmeer stammende und seit der zweiten Hälfte des 16 Jh. in Mitteleuropa eingebürgerte Art blüht Anfang Mai. Sie fällt dann besonders durch die ansehnlichen goldgelben, zugespitzten Blütenblätter auf, die auf Stängeln von bis zu 40 cm Höhe stehen. Die Blätter sind blaugrün und etwa 2,5 cm breit. Wild-Tulpen treten auffällig gesellig auf. Ihre Vorkommen sind daher in den Habitaten gut zu erkennen, auch wenn die Pflanzen nicht zur Blüte kommen.
Verbreitung in Deutschland: Die Wilde Tulpe kommt schwerpunktmäßig in den westlichen und südlichen Weinregionen Deutschlands vor, wenngleich ihre Vorkommen im Norden bis nach Dänemark reichen. Die Art ist durch intensiven Weinbau sowie durch Auflassen von Weinbergen gefährdet.
Verbreitung und aktuelle Nachweise in Sachsen-Anhalt: Reichliche Vorkommen der Wild-Tulpe gibt es in den Weinbergen unseres Bundeslandes bei Naumburg über dem Blütengrund und bei Zappendorf in einem Weinberg im Hügen-Tal. Ansonsten kommt die Wild-Tulpe bei uns im südlichen Landesteil, vorwiegend auf Friedhöfen sowie in Parks und Gebüschen vor.
Foto: Erich Greiner

Venuskamm
Synonym: Gewöhnlicher Nadelkerbel
Wissenschaftlicher Name: Scandix pecten-veneris
Familienzugehörigkeit: Apiaceae, Doldengewächse
Gefährdung: RL 1 ST, RL 2 D
Charakteristisch sind die bis 8 cm langen geschnäbelten Früchte, die sich zu einem eindrucksvollen Kamm aufstellen.
Der Venuskamm ist wärmeliebend und kommt vor allem auf kalkhaltigen Ton- und Lehmböden in Getreide vor. Er bevorzugt sommerwarme, mäßig trockene Standorte. Sein Ursprungsgebiet hat der Venuskamm im Mittelmeergebiet und ist wahrscheinlich erst durch den Getreideanbau nach Mitteleuropa gelangt.
Der Venuskamm ist eine der Charakterarten der Haftdolden-Venuskamm-Gesellschaft, die heute ebenfalls vom Aussterben bedroht ist. Früher zählte er zu den häufigeren Arten der Ackerflora der Kalkäcker. Durch die Intensivierung des Ackerbaus ist der Venuskamm inzwischen sehr selten geworden.
In Sachsen-Anhalt sind nur wenige Fundorte im Süden sowie im nördlichen Harzvorland bekannt. Das Vorkommen des Venuskamms bei Karsdorf (Burgenlandkreis) ist durch die Einrichtung eines Schutzackers seit 2021 langfristig gesichert.
Foto: Erich Greiner

Acker-Wachtelweizen
Wissenschaftlicher Name: Melampyrum arvense
Familienzugehörigkeit: Scrophulariaceae, Braunwurzgewächse
Gefährdung: RL 2 ST, RL 3 D
Der Acker-Wachtelweizen wächst in Mitteleuropa überwiegend auf lehmigen bis tonigen und kalkreichen Böden. Die Art gilt als wärmeliebend, benötigt jedoch eine Kältereiz zur Keimung und keimt daher vom Herbst bis ins zeitige Frühjahr hinein.
Eines seiner Hauptvorkommen hat der Acker-Wachtelweizen auf extensiv genutzten Äckern. Weitere Hauptvorkommen hat die Art in Halbtrockenrasen und trockenen Gebüschsäumen.
Der Acker-Wachtelweizen ist ein Halbschmarotzer auf Getreide und anderen Gräser-Arten. Die Blüten des Acker-Wachtelweizen sind purpurfarben mit einem gelblichen Fleck und in ährigen Blütenstand angeordnet. Besonders auffällig sind zudem die hell- bis lilaroten Hochblätter. Der Acker-Wachtelweizen bildet kurzlebige Samen, die etwa die Größe eines Getreidekorns haben.
In der Landwirtschaft gilt die Art als Saatgutunkraut, da die Samen leicht mitgeerntet werden und so die Ernte verunreinigen. Dies trat früher häufig bei der Ernte des Wintergetreides auf. Durch die geringe Konkurrenzkraft der Pflanze sowie die Kurzlebigkeit des Samens ist die Art in Sachsen-Anhalt jedoch mittlerweile stark gefährdet. Den deutschen Gattungsnamen verdankt der Wachtelweizen dem Irrglauben, dass Wachteln den Samen gerne fressen. Tatsächlich ist dieser jedoch schwach giftig.
In Sachsen-Anhalt tritt die Art insbesondere im kontinentalen Raum auf.
Foto: Erich Greiner

