Der Feldvogelstreifen ist eine Maßnahme, die im F.R.A.N.Z-Projekt (2016-2025) entwickelt wurde. Sie ist bisher nicht in Förderprogrammen verankert. In Sachsen-Anhalt wird sie aber von der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt erfolgreich als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme zur Förderung von Feldvögeln eingesetzt.
„Die Relevanz von Strukturvielfalt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wird auch durch die starke Nutzung von Feldvogelstreifen durch Feldlerchen deutlich. Im Vergleich zu Mais, aber auch Mais-Stangenbohnen-Gemenge, konnten fast fünfmal mehr Feldlerchen auf den Feldvogelstreifen beobachtet werden.“ (F.R.A.N.Z Zwischenbilanz 2023)

Bedeutung für die Tierwelt
Feldvogelstreifen sind besonders für die Bedürfnisse der Feldlerche zugeschnitten. Feldlerchen brüten am Boden und benötigen dafür lichte Wiesen, Äcker oder Brachen mit reichem Insektenangebot und freier Sicht, um Feinde zu erspähen. Wo diese Bedingungen erfüllt sind, brüten sie von April bis August mit zwei bis drei aufeinanderfolgenden Bruten.
Seit 1970 sind die Bestände der Feldlerche in Deutschland um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Das liegt am Verschwinden der Wiesen und Brachen und daran, dass auf den Feldern vor allem Kulturen (Mais, Raps, Wintergetreide) wachsen, die im Sommer zu hoch und zu dicht für eine Feldlerchenbrut sind. Daher ist in vielen Regionen nur noch eine Brut der Feldlerche im Frühjahr möglich, wenn die Ackerkulturen noch niedrig und lückig sind. Dies reicht aber nicht aus, um die Feldlerchenpopulation stabil zu erhalten.
In Feldvogelstreifen finden die Feldlerchen geeignete Bruthabitate bis in den Sommer hinein.
Feldvogelstreifen bieten aber auch für weitere Tiere der Feldflur geeignete Brut- bzw. Nahrungsangebote, so z. B. für die Wiesenschafstelze, die Grauammer, den Feldhamster und den Feldhasen.
Für den Feldhamster sind sie förderlich, da sie es erlauben, Jahre mit einer für diese Art ungünstigen Feldfrucht zu überleben bzw. sie als Leit- und Verbindungslinien zu geeigneteren Feldern zu nutzen. Zudem erfolgt auf den Flächen ein später Stoppelsturz erst ab dem 15.10., wodurch die Attraktivität dieser Streifen als Nahrungshabitate
für den Feldhamster unterstützt wird. Die Feldvogelstreifen können zudem zur Biotopvernetzung beitragen und die Besiedlung weiterer Ackerflächen unterstützen, da sie wegen des späten Stoppelumbruchs lange Zeit eine gute Deckung für den Feldhamster bieten.
Anlage und Bewirtschaftung
- Getreidestreifen im Maisschlag außerhalb des Vorgewendes (Ausnahmen bei Ernte möglich)
- Sommer- oder Wintergetreideanbau in Reinsaat, mit doppeltem Saatreihenabstand (weite Reihe)
- vorgezogene Bodenbearbeitung der Maisfläche bis 31.03. möglich
- streifenförmige Anlage, Mindestbreite 12 m, höchstzulässige Breite 36 m
- keine Ganzpflanzenernte, Ernte ab 31.07.
- Stoppelbrache über den Winter oder Umbruch ab 15.10.
- kein Einsatz von Rodentiziden, Herbiziden und Insektiziden
- mechanische Unkrautbekämpfung nur nach naturschutzfachlicher Abwägung
- Fungizide sind zugelassen
- keine Beschränkungen bei der Düngung
- Anlage in Bejagungsschneisen möglich
- Anforderungen an die Lage:
- nicht in der Nähe von Gehölzen, Wegen und Straßen (ca. 50 m Abstand)
- Rotation von Jahr zu Jahr mit der Fruchtfolge
Lage
Feldvogelstreifen werden jeweils für ein Jahr in Maisfeldern angelegt. Da Mais jährlich auf einem anderen Feld des Landwirtschaftsbetriebes angebaut wird, wechselt die Lage der Feldvogelstreifen ebenfalls jährlich. Um trotzdem ein kontinuierliches Nahrungs- und Brutplatzangebot für die Feldvögel anzubieten, werden in der Nähe der Feldvogelstreifen im nächsten Jahr Erbsenfenster angelegt.