Viele Ackerwildkräuter sind mit dem Getreideanbau vor tausenden Jahren aus Vorderasien und dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa gelangt. Bei den meisten Ackerwildkräutern handelt es sich daher um sogenannte Archäophyten. So werden Pflanzenarten bezeichnet, die mit Beginn des Ackerbaus bis Ende des 15. Jahrhunderts bei uns eingewandert sind. Das Vorkommen der zumeist einjährigen Arten ist an den Anbau von Kulturpflanzen und die regelmäßige Bodenbearbeitung gebunden. Sowohl die intensive ackerbauliche Nutzung als auch die Nutzungsaufgabe ackerbaulich genutzter Grenzertragsstandorte sowie effektive Verfahren der Saatgutreinigung führen zum Rückgang oder Verschwinden dieser Arten.

Das Vorkommen der zumeist einjährigen Arten ist an den Anbau von Kulturpflanzen und die regelmäßige Bodenbearbeitung gebunden. Sowohl die intensive ackerbauliche Nutzung als auch die Nutzungsaufgabe ackerbaulich genutzter Grenzertragsstandorte sowie effektive Verfahren der Saatgutreinigung führen zum Rückgang oder Verschwinden dieser Arten.

Ackerwildkräuter bilden den Anfang der Nahrungskette in Agrarökosystemen und stellen eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und direkt oder indirekt auch für körner- und insektenfressende Vogelarten der Agrarlandschaft dar. Viele Insektenarten sind zudem auf bestimmte Ackerwildkrautarten spezialisiert. Ackerwildkräuter übernehmen weiterhin wichtige Ökosystemfunktionen. So reduziert das dichte Wurzelsystem der Ackerwildkräuter die Bodenerosion. Ebenso können sie zur biologischen Schädlingsbekämpfung und zur Regulation des Mikroklimas beitragen.

Etwa die Hälfte der Arten weist aktuell eine Gefährdungskategorie der Roten Liste auf und gilt heute in Sachsen-Anhalt, aber auch bundesweit als gefährdet, vom Aussterben bedroht oder ist bereits ausgestorben.

Gefährdungskategorien der Roten Listen (RL):

  • 1: vom Aussterben bedroht
    2: stark gefährdet
    3: gefährdet
    V: Vorwarnliste
  • D: Deutschland, ST: Sachsen-Anhalt

Die Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt setzt sich für den Erhalt seltener und gefährdeter Ackerwildkräuter ein. Sie arbeitet mit Landwirtinnen und Landwirten zusammen, um wildkrautreiche Felder über eine extensive Bewirtschaftung zu entwickeln und zu erhalten.

Einige dieser wertgebenden Arten werden hier porträtiert:

Venuskamm

Synonym: Gewöhnlicher Nadelkerbel

Wissenschaftlicher Name: Scandix pecten-veneris

Familienzugehörigkeit: Apiaceae, Doldengewächse

Gefährdung: RL 1 ST, RL 2 D

Charakteristisch sind die bis 8 cm langen geschnäbelten Früchte, die sich zu einem eindrucksvollen Kamm aufstellen.

Der Venuskamm ist wärmeliebend und kommt vor allem auf kalkhaltigen Ton- und Lehmböden in Getreide vor. Er bevorzugt sommerwarme, mäßig trockene Standorte. Sein Ursprungsgebiet hat der Venuskamm im Mittelmeergebiet und ist wahrscheinlich erst durch den Getreideanbau nach Mitteleuropa gelangt.

Der Venuskamm ist eine der Charakterarten der Haftdolden-Venuskamm-Gesellschaft, die heute ebenfalls vom Aussterben bedroht ist. Früher zählte er zu den häufigeren Arten der Ackerflora der Kalkäcker. Durch die Intensivierung des Ackerbaus ist der Venuskamm inzwischen sehr selten geworden.

In Sachsen-Anhalt sind nur wenige Fundorte im Süden sowie im nördlichen Harzvorland bekannt. Das Vorkommen des Venuskamms bei Karsdorf (Burgenlandkreis) ist durch die Einrichtung eines Schutzackers seit 2021 langfristig gesichert.

Foto: Erich Greiner

Orientalischer Ackerkohl

Wissenschaftlicher Name: Conringia orientalis

Familienzugehörigkeit: Brassicaceae, Kreuzblütengewächse

Gefährdung: RL 1 ST, RL 1 D

Der Orientalische Ackerkohl kommt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeergebiet und war früher in Getreidekulturen weit verbreitet. Die Pflanzenart ist an ihrem aufrechten Stängel und den rundlichen, stängelumfassenden, graugrünen Blättern zu erkennen.

Für diese zierliche, konkurrenzschwache Art werden deutschlandweit erhebliche Rückgänge verzeichnet. Der Orientalische Ackerkohl wächst auf kalkreichen, wärmegetönten, trockenen, aber gut nährstoffversorgten Lehm- oder Tonböden in lichten Ackerkulturen. Die oftmals skelettreichen Standorte werden auch Kalkscherbenäcker genannt.

Der Orientalische Ackerkohl ist ein typischer Vertreter der Haftdolden-Venuskamm-Gesellschaft. In Sachsen-Anhalt sind nur wenige Fundorte im Süden sowie im nördlichen Harzvorland bekannt. Bei intensiver Feldbearbeitung verschwindet der Ackerkohl schnell.

Foto: Anna Schumacher

Rundblättriges Hasenohr

Wissenschaftlicher Name: Bupleurum rotundifolium

Familienzugehörigkeit: Apiaceae, Doldengewächse

Gefährdung: RL 2 ST, RL 2 D

Das stark gefährdete Rundblättrige Hasenohr bevorzugt trockene, nährstoff- und kalkreiche, lehmige oder tonige Böden. Die Art kam mit dem Getreideanbau aus dem mediterranen Raum nach Mitteleuropa und war früher ein typischer und weit verbreiteter Begleiter der Ackerflora auf Kalkverwitterungsböden.

Das Rundblättrige Hasenohr zählt zu den Charakterarten der Haftdoldengesellschaften, die typisch für die sogenannten Kalkscherbenäcker sind. Die Wolfsmilch-ähnliche Gestalt und die eiförmigen, stängelumfassenden Blätter sind charakteristisch für das Rundblättrige Hasenohr.

In Sachsen-Anhalt ist die Art mit wenigen Vorkommen im Süden Sachsen-Anhalts sowie im Nordharz und nördlichen Harzvorland zu finden.

Foto: Erich Greiner

Sommer-Adonisröschen

Wissenschaftlicher Name: Adonis aestivalis

Familienzugehörigkeit: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse

Gefährdung: RL 3 ST, RL 2 D

Das strahlend rot leuchtende Sommer-Adonisröschen ist ein echter Blickfang. Neben rotblühenden Varianten gibt es auch hellgelbe oder orangefarbene Varianten. Die Blättchen dieser stark giftigen Pflanze sind fein gefiedert.

Das Sommer-Adonisröschen kommt auf flachgründigen, kalkreichen Böden wärmegetönter Standorte vor und ist eine der kennzeichnenden Arten der Haftdolden-Adonisröschen-Gesellschaft der Kalkäcker.

Das Vorkommen des Sommer-Adonisröschens ist, wie die anderen Arten der Haftdoldengesellschaften, eng an den extensiven Anbau von Wintergetreidekulturen geknüpft.

Heute kommt die Art bei uns nur noch selten an wenigen Ackerrändern oder auf extensiv bewirtschafteten Feldern im südlichen Sachsen-Anhalt, im Nord- und Südharz, im nördlichen Harzvorland sowie im Saale- und Bördekreis vor.

Foto: Erich Greiner

Flammen-Adonisröschen

Wissenschaftlicher Name: Adonis flammea

Familienzugehörigkeit: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse

Gefährdung: RL 1 ST, RL 1 D

Nach den Angaben in alten Floren muss das Flammen-Adonisröschen früher auf kalkreichen Böden weit verbreitet gewesen sein. Inzwischen hat eine erhebliche Arealreduktion auf die wärmebegünstigten, niederschlagsärmeren Gebiete stattgefunden. Heute ist das Flammen-Adonisröschen ein sehr seltenes botanisches Highlight unter den Ackerwildkräutern.

Die blutrote Blüte gab ihr den Beinamen „Brennendes Teufelsauge“. Das ebenfalls giftige Flammen-Adonisröschen kann leicht mit dem Sommer-Adonisröschen verwechselt werden. Die locker verteilten Nüsschen des Fruchtstandes weisen einen schwarzen Schnabel auf (beim Sommer-Adonisröschen ist der Schnabel grün).

Das wärmeliebende Flammen-Adonisröschen ist wahrscheinlich während der Jungsteinzeit nach Deutschland gelangt und wächst auf trocken-warmen Kalkstein- und Kalklehmböden. Die intensive ackerbauliche Bewirtschaftung hat dazu geführt, dass die Art von den Kalkäckern Sachsen-Anhalts nahezu verschwunden ist.

Das Flammen-Adonisröschen gilt als Charakterart der Haftdolden-Adonisröschen-Gesellschaft.

Mit nur wenigen individuenarmen Vorkommen im Süden Sachsen-Anhalts ist das Flammen-Adonisröschen heute extrem selten zu finden und kommt nur unbeständig vor. Für den Erhalt dieser Art trägt Deutschland nach der nationalen Biodiversitätsstrategie eine große Verantwortung.

Foto: Erich Greiner

Kornrade

Wissenschaftlicher Name: Agrostemma githago

Familienzugehörigkeit: Caryophyllaceae, Nelkengewächse

Gefährdung: RL 1 ST, RL 2 D

Die Kornrade war bis in die 1960er Jahre eine typische Ackerbegleitpflanze im Wintergetreide. Infolge moderner Anbaumethoden, vor allem wegen der Saatgutreinigung und des Einsatzes von Herbiziden, kommt sie heute kaum noch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen vor. Letzte segetale Vorkommen gab es noch bis 2001 bei Eisleben.

Die Art stammt wahrscheinlich aus dem Mittelmeergebiet und wurde durch den Getreideanbau in Mitteleuropa verbreitet. Die violett blühende Kornrade bevorzugt mäßig basen- und stickstoffversorgte, sandig-lehmige, trockene Böden. Aufgrund ihrer giftigen Samen war die Art lange ein gefürchtetes Ackerunkraut in Europa.

Die Kornrade hat ihre Ausbreitungsstrategie an den Getreideanbau angepasst. Da die Samenkapsel sich zur Samenreife nicht weit genug öffnet, ist die Pflanze daran angepasst, mitgedroschen und mit dem Getreidesaatgut wieder ausgebracht zu werden. Die einjährigen Samen weisen etwa die gleiche Größe wie Getreidekörner auf – so fand über Jahrhunderte eine durch den Menschen geprägte Saatgutselektion statt. Durch die moderne Saatgutreinigung ist die Ausbreitung der Kornrade unterbrochen. Zudem weisen die Samen nur eine kurze Lebensdauer von wenigen Monaten bis zu max. zwei Jahren auf: Es werden keine Samenbanken im Boden ausgebildet.

Heute ist die Kornrade von den Feldern nahezu verschwunden. Einzelne Vorkommen sind aus Sachsen-Anhalt beispielsweise für das Grüntal bei Quedlinburg sowie für eine Ackerfläche bei Chüttlitz (Salzwedel) bekannt. Seltene Reliktvorkommen weist diese Art teilweise in an Äcker angrenzende Halbtrockenrasen auf.

 

Foto: Erich Greiner

Acker-Schwarzkümmel

Wissenschaftlicher Name: Nigella arvensis

Familienzugehörigkeit: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächs

Gefährdung: RL 1 ST, RL 1 D

Die hellblauen, exotisch wirkenden Blüten des Acker-Schwarzkümmels sind eine Besonderheit. Der ursprünglich auf dem Balkan verbreitete Acker-Schwarzkümmel kam wahrscheinlich während der Jungsteinzeit mit dem Getreideanbau nach Europa.

Die Art gedeiht auf kalkreichen, skelett- und nährstoffreichen Lehmböden und kommt bevorzugt auf niederschlagsarmen, kontinental-geprägten Standorten vor. Der Acker-Schwarzkümmel ist eine typische Art der Stoppeläcker, die erst im Mai keimt und nach der Ernte zur Samenreife gelangt. Die Verkürzung und Verschiebung von ackerbaulichen Bewirtschaftungsgängen, wie einem Stoppelsturz direkt nach der Ernte, tragen zum deutlichen Rückgang der Art bei.

Durch extensiv bewirtschaftete Ackerrandstreifen, aber auch durch Schonstreifen kann die Art erfolgreich gefördert werden.

Die Vorkommen sind in Sachsen-Anhalt auf die Kalkscherbenäcker der trockenen Gebiete des Mansfelder Landes und des Mittleren- und Unteren Saaletals begrenzt.

Foto: Erich Greiner

Gelber Günsel

Wissenschaftlicher Name: Ajuga chamaepitys

Familienzugehörigkeit: Lamiaceae, Lippenblütler

Gefährdung: RL 2 ST, RL 2 D

Der flachwüchsige Gelbe Günsel oder Acker-Günsel ist eher unscheinbar. Die Blätter der Pflanze ähneln Kiefernadeln und riechen beim Zerreiben auch so ähnlich wie diese.

Die wärmeliebende Art kann sich auf Stoppeläckern der Kalkverwitterungsböden besonders gut entwickeln und bevorzugt vorwiegend nährstoffarme Böden. Auch auf sehr schütteren Ackerbrachen kann sich der Gelbe Günsel etablieren. Wie viele Arten der Kalkäcker stammt er ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.

Der Gelbe Günsel blüht von Mai bis September. Die Samen reifen entsprechend von Juni bis in den Herbst. Durch die rosmarinartigen Blätter und die Behaarung an Stängel und Blättern ist die Pflanze gut an trockene Standorte im kontinentalen Raum angepasst. Hier hat die stark rückläufige Art ihren Verbreitungsschwerpunkt in Sachsen-Anhalt.

Foto: Erich Greiner

Acker-Wachtelweizen

Wissenschaftlicher Name: Melampyrum arvense

Familienzugehörigkeit: Scrophulariaceae, Braunwurzgewächse

Gefährdung: RL 2 ST, RL 3 D

Der Acker-Wachtelweizen wächst in Mitteleuropa überwiegend auf lehmigen bis tonigen und kalkreichen Böden. Die Art gilt als wärmeliebend, benötigt jedoch eine Kältereiz zur Keimung und keimt daher vom Herbst bis ins zeitige Frühjahr hinein.

Eines seiner Hauptvorkommen hat der Acker-Wachtelweizen auf extensiv genutzten Äckern. Weitere Hauptvorkommen hat die Art in Halbtrockenrasen und trockenen Gebüschsäumen.

Der Acker-Wachtelweizen ist ein Halbschmarotzer auf Getreide und anderen Gräser-Arten. Die Blüten des Acker-Wachtelweizen sind purpurfarben mit einem gelblichen Fleck und in ährigen Blütenstand angeordnet. Besonders auffällig sind zudem die hell- bis lilaroten Hochblätter. Der Acker-Wachtelweizen bildet kurzlebige Samen, die etwa die Größe eines Getreidekorns haben.

In der Landwirtschaft gilt die Art als Saatgutunkraut, da die Samen leicht mitgeerntet werden und so die Ernte verunreinigen. Dies trat früher häufig bei der Ernte des Wintergetreides auf. Durch die geringe Konkurrenzkraft der Pflanze sowie die Kurzlebigkeit des Samens ist die Art in Sachsen-Anhalt jedoch mittlerweile stark gefährdet. Den deutschen Gattungsnamen verdankt der Wachtelweizen dem Irrglauben, dass Wachteln den Samen gerne fressen. Tatsächlich ist dieser jedoch schwach giftig.

In Sachsen-Anhalt tritt die Art insbesondere im kontinentalen Raum auf.

Foto: Erich Greiner

Lämmersalat

Wissenschaftlicher Name: Arnoseris minima

Familienzugehörigkeit: Asteraceae, Korbblütler

Gefährdung: RL 2 ST, RL 2 D

Der ursprünglich aus Südwesteuropa stammende Lämmersalat ist eine Charakterart der nährstoffarmen, bodensauren Sandäcker sowie der Sandackerbrachen. Er ist die weltweit einzige Art dieser Gattung und gilt als stark gefährdet. Die blassgelben Blütenköpfchen des Lämmersalats sitzen einzeln auf langen, zur Blüte hin verdickten, blattlosen Stielen.

Der Lämmersalat bevorzugt mineralarme mäßig frische Ackerstandorte und gilt als kalkmeidend. Obwohl die einjährige Art frostempfindlich ist, ist sie überwiegend in Winterkulturen und nur gelegentlich in Sommerkulturen auf den ackerbaulich genutzten Flächen zu finden.

Die konkurrenzschwache Art benötigt sehr lichte Kulturen. Für die Keimung braucht der Lämmersalat Stellen mit offenem Boden. Auf Brachflächen verschwindet der Lämmersalat nach ein bis zwei Jahren. Auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen wird die Art zurückgedrängt, da sie Düngung (damit einhergehend dichte Kulturen), Kalkung und chemische Pflanzenschutzmittel nicht verträgt.

Der Verbreitungsschwerpunkt der Art liegt in der Dübener Heide und im Fläming. Einige Vorkommen liegen außerdem in der Börde, im Jerichower Land und in der Altmark. Da der Lämmersalat eine Verantwortungsart in Deutschland ist, sollten die Äcker, auf denen sie noch vorkommt, möglichst extensiv und ohne Kalkung bewirtschaftet werden.

Foto: Erich Greiner

Deutsches Filzkraut

Wissenschaftlicher Name: Filago germanica

Familienzugehörigkeit: Asteraceae, Korbblütler

Gefährdung: RL 2 ST, RL 3 D

Das Deutsche Filzkraut ist eine Charakterart der extensiv genutzten Sandäcker und Sandackerbrachen. Darüber hinaus ist die Art in Sandtrockenrasen zu finden.

Sie bevorzugt trockene, sandige bis kiesige Böden und gilt als kalkmeidend. Das Deutsche Filzkraut ist einjährig und weist eine charakteristische grau-weiße, wollig-filzige Behaarung aller oberirdischer Pflanzenteile auf.

Die Art ist als sehr konkurrenzschwach einzustufen und gilt in Sachsen-Anhalt als stark gefährdet. Sie kommt vereinzelt im Norden und Osten, dem Nordharzvorland sowie im Bereich der Mittleren Saale noch vor.

Foto: Andreas Korschefsky

Acker-Hahnenfuß

Wissenschaftlicher Name: Ranunculus arvensis

Familienzugehörigkeit: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse

Gefährdung: RL 2 ST, RL 3 D

Der aus Mittelasien stammende Acker-Hahnenfuß mit seinen auffälligen Klettfrüchten ist ein selten gewordener Begleiter des Wintergetreides. Er wächst in Mitteleuropa auf lehmigen bis tonigen kalkhaltigen, aber gut drainierten, skelettreichen Böden. Der Acker-Hahnenfuß gilt als Lehmzeiger und ist außerhalb von Äckern nicht zu finden.

Die Art ist konkurrenzschwach und reagiert sensibel auf Herbizidbehandlungen. Weiterhin gedeiht der Acker-Hahnenfuß nur auf nährstoffarmen Böden und stellt somit keinerlei Probleme für die Landwirtschaft dar.

Durch die spezifischen Standortansprüche und die nur ca. 10 Jahre im Boden lebensfähigen Samen ist der Acker-Hahnenfuß sehr selten geworden: In Sachsen-Anhalt sind nur wenige vitale Standorte im Burgenlandkreis und im Landkreis Mansfeld Südharz bekannt.

Foto: Erich Greiner

Ackerröte

Wissenschaftlicher Name: Sherardia arvensis

Familienzugehörigkeit: Rubiaceae, Rötegewächse

Gefährdung: RL 3 ST, RL V D

Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Ackerröte wächst in Mitteleuropa überwiegend auf mäßig trockenen, nährstoffhaltigen Lehm- und Tonböden. Die Art gilt als wärmeliebend und ist vor allem auf gut wasserversorgten, kalkhaltigen bis schwach sauren Böden zu finden.

Die blasslila blühende Ackerröte mit ihren quirlig stehenden Blättern wächst meist niederliegend. Die Art bildet bei geeigneten Standorten und extensiver Bewirtschaftung gelegentlich Polster aus. Ohne Blüte ist die Ackerröte leicht mit einigen Labkraut-Arten zu verwechseln.

Ihre Konkurrenzkraft in ackerbaulich genutzten Kulturen ist als sehr gering einzuschätzen. Früher war die Art ein häufiger Begleiter vieler Kulturen, ganz besonders des (Winter-)Getreides. Heute ist die Art in Sachsen-Anhalt nur noch an wenigen Ackerrändern zu finden.

Der Rückgang der Ackerröte liegt unter anderem in ihrer späten Fruchtreife sowie in ihrer geringen Konkurrenzkraft begründet. Während die Samen früher in den Stoppelfeldern zur Reife gelangten, ist die Fruchtreife heute zumeist durch den Stoppelumbruch direkt nach der Ernte unterbrochen. Infolge der relativ geringen Lebensdauer der Samen werden keine langlebigen Samenbanken aufgebaut.

In Sachsen-Anhalt hat die Ackerröte Vorkommen in den Bördegebieten des Magdeburger, Köthener und Querfurter Ackerlandes sowie in den Hügelländern des Harzvorlandes.

Foto: Erich Greiner

Acker-Haftdolde

Wissenschaftlicher Name: Caucalis platycarpos

Familienzugehörigkeit: Apiaceae, Doldengewächse

Gefährdung: RL 3 ST, RL 3 D

Die Acker-Haftdolde ist ein alter Kulturbegleiter in Getreidefeldern der Kalkäcker und heute nur noch gelegentlich an Ackerrändern zu finden.

Charakteristisch sind die auffälligen Früchte mit ihren widerhakigen Stacheln. Als lichtliebendes und Stickstoffreichtum meidendes Ackerwildkraut weist die Acker-Haftdolde auf intensiv bewirtschafteten Äckern keinerlei Konkurrenzfähigkeit auf.

Sie ist eine der Charakterart der Haftdolden-Gesellschaften, die für extensiv genutzte Kalkäcker wärmegetönter Standorte typisch sind.

Die Art ist gelegentlich noch an den Rändern skelettreicher Kalkverwitterungsböden im Saale-Unstrut-Gebiet, im Südharz und Harzvorland sowie im Mansfelder Raum zu finden.

Foto: Erich Greiner