„Modellprojekt zur Verbesserung der Situation von Ackerwildkräutern in Sachsen-Anhalt – Maßnahmen zur Erhaltung und Entwicklung ihres Lebensraums und Unterstützung der Entwicklung eines Ackerrandstreifenprogramms für den flächenhaften Ackerwildkrautschutz in Sachsen-Anhalt“

Projektförderung im Rahmen des ELER-Programmes beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt

Vorrangiges Gesamtziel des Projektes ist es, die Situation der stark gefährdeten Ackerwildkräuter in Sachsen-Anhalt (Rote Liste 1 und 2 Arten) zu verbessern und gleichzeitig wesentliche Nahrungsgrundlagen und (Teil-)habitate für weitere gefährdete Arten der Agrarlandschaft (Insekten, Feldvögel) bereitzustellen.

Wesentliche Aufgaben des Projektes sind deshalb:
(1.) Flächen mit einem hohen Potenzial für den Ackerwildkrautschutz in einem Kataster zu erfassen und damit eine Flächenkulisse für Maßnahmen zu erstellen,
(2.) einen Katalog von Maßnahmen zu entwickeln, um Ackerwildkräuter sowohl in der konventionellen Landwirtschaft als auch im Ökolandbau zu fördern ohne die landwirtschaftliche Produktion infrage zu stellen, und
(3.) Landwirte mit verschiedenen Aktionen für die Erhaltung und Förderung von Ackerwildkräutern zu motivieren und bei der Umsetzung der Maßnahmen zu begleiten.

Bildautor: Dr. Jens Birger, Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt
Bildautor: Dr. Jens Birger, Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt
Hintergrund

Lediglich 3 % der Fläche von Sachsen-Anhalt sind Naturschutzgebiete, wo aktiver Natur- und Artenschutz betrieben wird. Hierbei handelt es sich häufig um besondere Lebensräume, Gewässer oder Wälder, welche oft den dort seltenen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Zufluchtsort bieten. Den Arten der normalen Ackerlandschaft, welche in Sachsen-Anhalt mit 52 % einen Großteil der Fläche einnimmt, helfen diese Schutzgebiete zu wenig.
Auf Grund der starken Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten sind die Artenzahlen und Anzahlen der Individuen von Ackerwildkräutern seit den 1950er Jahren gravierend zurück gegangen. Sie gehören zu den am stärksten gefährdeten Pflanzenarten Sachsen-Anhalts. Auch die Hälfte der Vogelarten, welche ihren Lebensraum im landwirtschaftlich genutzten Offenland finden, mussten in den letzten dreißig Jahren Einbußen verzeichnen. Weitere Arten der offenen Feldflur wie Insekten und Säugetiere leiden unter den fehlenden Strukturen in der intensiven Agrarlandschaft.
Die Tier- und Pflanzenarten der Agrarlandschaft, allen voran die Ackerwildkräuter, sind von einer Bewirtschaftung der Äcker abhängig: Sie brauchen den regelmäßigen Umbruch der Bodendecke, die offene Feldflur. Jedoch bieten die häufig anzufindenden weitläufigen Intensiväcker mit hoher Belastung durch Düngemittel und Bioziden und den nur sporadisch vorhandenen Strukturelementen (Hecken, Baumreihen) nur wenigen, toleranten Arten einen Lebensraum.
Stattdessen werden Ackerflächen benötigt, auf denen eine extensive Bewirtschaftung stattfindet: kein/reduzierter Herbizideinsatz oder mechanische Unkrautregulierung, Reduktion/Verzicht von Düngung, Schaffung von Saumstrukturen. Von dem Wiederaufleben von blühenden (Teil-)Ackerschlägen profitieren nicht nur die dort wachsenden Ackerwildkräuter. Durch den Nektar und den Strukturvielfalt werden Insekten angelockt, welche Nahrungsmöglichkeiten für Vögel und weitere Tierarten bieten. Nicht zuletzt wird der ästhetische Wert der Landschaft durch blühende Äcker erhöht.
 






 
Projektleitung:
Dr. Jens Birger (Geschäftsführer)
Kooperationspartner:
Kreisbauernverbände Sachsen-Anhalts
Hochschule Anhalt, Fachbereich LOEL, Bernburg
Botanischer Verein Sachsen-Anhalt
Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (Dr. Dieter Frank)
Saale Saaten – Matthias Stolle, Wildpflanzenvermehrung und Handel
Stefan Meyer, Universität Göttingen
Projektbearbeitung:
Dr. Heino John, Dipl.-Biol. Robin Schmidt, M.Sc. Anna Schumacher
Projektlaufzeit:
01.05.2019 – 30.09.2022
Gefördert durch: Europa-ELER, ELER-Sachsen-Anhalt, Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt